Erich Altmann hat ein Interview mit Juliane Spandl geführt. Juliane kandidiert auf der Liste der GRÜNEN für den Straubinger Stadtrat.
Die Sopranistin tritt unter ihrem Geburtsnamen Juliane Schenk auf. Sie sang als Solistin am Deutschen Nationaltheater Weimar, am Stadttheater Fürth, am Theater Hof und am Theater Plauen-Zwickau zahlreiche Rollen ihres Fachs. Außerdem ist sie regelmäßig als Solistin im Konzert zu erleben. Juliane wurde in Westfalen geboren, studierte Gesang in Köln, Lyon und Weimar und schloss ihr Studium mit dem Konzertexamen ab. Sie ist verheiratet und hat drei Söhne.
Was die Sopranistin und dreifache Mama antreibt und warum sie sich kommunalpolitisch engagieren möchte, verrät sie im Interview.

Juliane, die Frau mit den drei großen „K“
E.A.: Juliane, als die Kandidatenliste für die Stadtratswahl erstellt wurde, hast du dich als Bewerberin mit den drei großen „K“ vorgestellt. Die da sind…?
J.S.: Kinder, Kunst und Kommunalpolitik. Kinder und Kunst, also in meinem Fall das Singen, sind seit Jahren die beiden Pole, zwischen denen sich mein Leben schwerpunktmäßig bewegt. Jetzt kommt noch die Kommunalpolitik dazu. Meine Mutterschaft hat unter anderem dazu geführt, dass ich mich intensiv mit feministischen Themen auseinandergesetzt habe. Außerdem habe ich als Mutter angefangen, mich ehrenamtlich zu engagieren. Demokratie kann nur funktionieren, wenn wir Verantwortung übernehmen und für unsere Werte einstehen. Dafür kann es nicht schaden, kreative Ideen zu haben und abseits der ausgetretenen Pfade zu denken. Ich glaube, Kinder, Kunst und Kommunalpolitik befruchten sich wunderbar gegenseitig und können viel voneinander lernen und profitieren.
E.A.: Was hat dich bewogen, für den Stadtrat zu kandidieren? Und warum bei den Grünen?
J.S.: Mein Herz schlägt eigentlich schon immer grün und ich habe schon länger mit dem Gedanken gespielt, mich in der Partei zu engagieren. Die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen und die wachsende Polarisierung in der Gesellschaft beunruhigen mich und ich sehe in der Kandidatur eine Möglichkeit, mich dagegen zu positionieren. Die Grünen sind außerdem eine feministische Partei, ich fühle mich hier politisch sehr zuhause.
E.A.: Du stammst aus Westfalen. Was gefällt dir an deiner neuen Heimat Straubing?
J.S.: Vieles! Ich laufe jeden Morgen über die Schlossbrücke, und der Blick auf die Donau, das Schloss und bei guter Sicht bis zum Bayerischen Wald ist jeden Tag ein bisschen anders und immer wunderschön. Das liebe ich! Die Nähe zu den Bergen und das Donauufer sind für mich Kraftquellen in der Natur, die wir auch mit den Kindern häufig aufsuchen. Die Stadt bietet eine sehr hohe Lebensqualität und hier gibt es außerdem jede Menge nette Menschen, deswegen möchte ich nicht mehr weg!
E.A.: Und wo siehst du Verbesserungspotenzial?
J.S.: Ich bewege mich in der Stadt sehr viel mit dem Fahrrad. Da gibt es einige Stellen, an denen Radwege sicherer und komfortabler werden müssen. Man merkt schon, dass in dem Bereich in den letzten Jahren viel gemacht worden ist, aber ich bin der Meinung, dass wir auch den Auto-Verkehr in der Innenstadt noch viel kritischer bewerten sollten. Für mich ist es zum Beispiel nicht einleuchtend, dass das Parken am Hagen kostenfrei ist, eine Busfahrkarte aber Geld kostet. Eine autofreie Innenstadt sollte eigentlich selbstverständlich sein. Die Stadt hat viele Jahrhunderte ohne Autos funktioniert, warum ist das heute plötzlich nicht mehr möglich?
Das Thema bezahlbares Wohnen ist auch in Straubing ein Problem, da muss die Stadt dringend gegensteuern.
E.A.: Als dreifache Mama kennst du sicherlich die Segnungen, aber auch die Defizite der Familienpolitik auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene. Wo muss hier noch nachgebessert werden?
J.S.: Ich habe mein erstes Kind in Sachsen auf die Welt gebracht, da war der Umzug nach Bayern schon ein ziemlicher Schock, was das Angebot an Kinderbetreuung betrifft. Ich finde, wir müssen dafür sorgen, dass jedes Kind in der Schule ein gutes Mittagessen erhält, und zwar ab der ersten Klasse und möglichst ohne Zusatzkosten für die Eltern. Im Kindergarten ist das ja auch flächendeckend möglich. Es gibt viel zu wenig Plätze in der Mittagsbetreuung – das fällt vielen jetzt erst auf, wo es einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung gibt -, die außerdem auch sinnvoller gestaltet werden kann. Auch da kenne ich Beispiele aus anderen Bundesländern, die in dem Bereich ein ganz anderes Niveau anbieten. Da ist Bayern wirklich hinten dran. Von Personalmangel und Betreuungsschlüsseln in Kitas will ich gar nicht erst anfangen. Ich denke, wir sollten das Wohl der Kinder und den Erhalt unserer Lebensgrundlagen immer in das Zentrum unserer Überlegungen stellen. Nur wenn es unseren Kindern gut geht und wir endlich aufhören, die Natur zu zerstören, haben wir als Menschen eine lebenswerte Perspektive.
E.A.: Du bist Sopranistin und hast kürzlich den Kulturdialog, zu dem die Grünen in den Citydom geladen haben, musikalisch mitgestaltet. Was wünscht du dir als Kulturschaffende für das kulturelle Leben in Straubing?
J.S.: Ganz oben auf der Wunschliste steht der Erhalt des Burgtheaters. Wenn die Stadt das Burgtheater und den Dechanthof wieder aus der Hand gibt, wäre das ein historischer Fehler, den wir auf jeden Fall verhindern müssen. Der Gebäudekomplex in der Bürg ist stadtgeschichtlich so bedeutend, wir kämen doch auch nicht auf die Idee, das Schloss oder den Stadtturm an private Investoren zu verhökern. Außerdem hat die Stadt mit dem Burgtheater-Verein ein so vorbildliches bürgerschaftliches Engagement, das sollte gewürdigt und unterstützt werden.
Ein weiteres Thema, das mir am Herzen liegt, ist das Fehlen einer städtischen Musikschule. Das Angebot an Instrumentalunterricht sollte so verfügbar sein, dass jedes Kind unabhängig von seiner Herkunft die Möglichkeit hat, ein Instrument zu lernen, in einem Ensemble zu spielen oder im Chor zu singen. Eine zentrale Einrichtung, die diese Angebote macht, angefangen von der musikalischen Früherziehung bis hin zur möglichen Studienvorbereitung, die fehlt in Straubing total. Unglaublich eigentlich, wenn man sieht, wie viele hochbegabte MusikerInnen es in dieser Stadt gibt.
E.A.: Grün ist die Farbe der Hoffnung. Wenn du das große klassische Repertoire durchgehst: Gibt es eine Arie oder ein Lied, mit dem du die Begriffe Glaube, Liebe und Hoffnung besonders verbindest?
J.S.: Die meisten Arien beschäftigen sich ja eher mit den Abgründen der menschlichen Existenz oder (unglücklicher) Liebe, aber das Sopran-Solo im Deutschen Requiem von Brahms ist ein wunderschönes, hoffnungsvolles Stück, das ich sehr liebe.
„Ihr habt nun Traurigkeit
Aber ich will euch wieder sehen
Und euer Herz soll sich freuen
Und eure Freude soll niemand von euch nehmen
Ich will euch trösten
Wie einen seine Mutter tröstet“