Interview mit Uli Obermaier

Erich Altmann hat ein Interview mit Uli Obermaier geführt. Uli kandidiert auf der Liste der GRÜNEN für den Straubinger Stadtrat.

Die Hebamme arbeitet im Klinikum St. Elisabeth und lebt mit ihrem Mann sowie drei erwachsenen Söhnen seit 15 Jahren in Straubing. Kommunalpolitik ist in der Familie ein großes Thema. Ulis Mann ist seit sechs Jahren für die CSU im Stadtrat, ein Sohn kandidiert bei den Linken.

Warum Uli, der naturgemäß die Themen Gesundheit und junge Familien am Herzen liegen, sich nun selbst kommunalpolitisch engagieren möchte und weshalb dies bei den Grünen passiert, das verrät die dreifache Mutter im Interview.

Farbe bekennen: Und das kann nur Grün sein

E.A.: Uli, dein Mann Robert ist CSU-Stadtrat, du kandidierst für die Grünen, euer ältester Sohn Alexander für die Linke. Fliegen da beim Sonntagsfrühstück in eurem Haus manchmal die Teller tief, wenn´s um Politik geht?

U.O.: Natürlich sind manche politische Diskussionen schon etwas emotional, da es ja durchaus schon sehr unterschiedliche Positionen sind, wobei man ja doch bundespolitische Themen nicht immer mit der Kommunalpolitik vergleichen kann.

E.A.: Was treibt dich an, für den Stadtrat zu kandidieren? Und warum bei den Grünen?

U.O.: Dadurch, dass mein Mann ja schon seit sechs Jahren im Stadtrat ist, habe ich viele Themen mit Interesse mitverfolgen können, manche Entscheidungen des Stadtrats hinterfragt und durch Erklärung dann erfahren, dass diese doch komplexer und vielschichtiger sind, als man meint.
Für den Stadtrat kandidiere ich, weil ich diesen Prozess der Entscheidungsfindung mitgestalten möchte und mich für Straubing und ALLE Straubinger und deren Interessen engagieren möchte.
Die Grünen vertreten schon seit Jahren am ehesten meine Werte und politischen Einstellungen, v.a. was die Klima- und Sozialpolitik angeht. Auch das Erstarken der extremen Rechten hat dazu geführt, mich konsequenterweise für die Liste der Grünen zu entscheiden.

E.A.: Du bist Hebamme von Beruf. Wie steht es denn um die Geburtshilfe in der Stadt Straubing?

U.O.: Wir Hebammen, die im Straubinger Klinikum in der Geburtshilfe tätig sind, legen unser ganzes Herzblut in die Begleitung der Gebärenden. Während der Pandemie haben einige Kolleginnen unser Team verlassen und wir mussten als sehr kleine Gruppe , wie man so schön sagt, den Laden weiter am Laufen halten, denn der Kreißsaal muss 24 Stunden besetzt sein.
Das ist uns dank eines tollen Kernteams und der immer großen Unterstützung der Geschäftsführung sehr gut gelungen. Mittlerweile sind wir wieder ein größeres hochmotiviertes Team, das auch die praktische Ausbildung der Studierenden des Hebammenwesens der OTH Regensburg mit übernimmt, und wir können wieder etwas durchatmen.
Wir betreuen im Schnitt ein bis zwei Geburten am Tag, was es uns ermöglicht, eine individuelle Betreuung zu gewährleisten, was für die Gebärende natürlich sehr schön ist.

E.A.: Der neue Hebammenhilfevertrag hat für viel Kritik gesorgt. Mit welchen Problemen hat euer Berufsstand zu kämpfen. Und was sind eure Forderungen an die Politik?

U.O.: Der neue Hebammenhilfevertrag ist vor allem für freiberufliche Beleghebammen, die ca. 80 % aller Geburten in Bayern begleiten, ein Problem, da die Vergütung so gestaffelt ist, dass der Satz bei gleichzeitiger Betreuung von zwei oder drei Frauen drastisch sinkt. Dann bekommt man für die erste Frau 80 %, für die zweite und dritte 30 % und für die vierte gar nichts mehr bei 100 % Haftung. Damit soll die 1:1-Betreuung gefördert und unterstützt werden, was aber im klinischen Setting realitätsfern ist, da Geburten im Normalfall nicht planbar sind. Insgesamt führt dies zu bis zu 30 % weniger Einkommen. Dazu kommt der hohe bürokratische Aufwand. Da in Bayern ca. 80 % aller Geburten von Beleghebammen begleitet werden, kann dieser Vertrag zu einer Versorgungskrise führen, da immer mehr Hebammen die Geburtshilfe verlassen werden.
Die Forderung der Hebammen an die Politik ist eine Gesundheitspolitik, die die Geburtshilfe nicht als Kostenfaktor, sondern als gesamtgesellschaftliche Aufgabe versteht mit einer Vergütung, die den hohen Verantwortungsgrad und die Risiken, auch in der Rufbereitschaft, angemessen widerspiegelt.

E.A.: Du hast vor Kurzem an der von den Grünen organisierten Podiumsdiskussion „Pflege braucht Pflege“ teilgenommen. Warum ist dieses Thema so brisant?

U.O.: Weil es früher oder später im Leben jeden betrifft. Entweder geht es um die Pflege von Angehörigen oder man ist selbst betroffen. Die Pflege steht bereits vor großen Herausforderungen, was aber noch durch den demografischen Wandel und den zunehmenden Fachkräftemangel verstärkt wird.
Weniger Nachwuchs in der Pflege trifft auf eine wachsende Zahl von Pflegebedürftigen, dadurch kommt es zu einer immer größer werdenden physischen und psychischen Belastung der Pflegenden, die dann entweder den Beruf verlassen oder selber krank werden.

E.A.: Was gefällt dir an Straubing?

U.O.: Als vor 15 Jahren die Entscheidung anstand, Freiburg zu verlassen und nach Straubing zu ziehen, war ich sehr traurig. Doch die Straubinger haben es mir leicht gemacht, mich hier schnell einzuleben und unsere neue Heimat lieben zu lernen. Die Stadt bietet jungen Familien sehr viel Möglichkeiten, sich wohl zu fühlen.

E.A.: Und was muss sich in Straubing ändern?

U.O.: Ganz einfach. Mehr Grün im Stadtrat!