Feride Niedermeier führte in der ablaufenden Amtsperiode die GRÜNEN-Fraktion im Straubinger Stadtrat als Vorsitzende. Im Interview mit Erich Altmann steckt die Sozialversicherungsangestellte (Listenplatz 6) die Ziele für die kommenden sechs Jahre ab. Der Blick gilt dabei auch künftigen Generationen. „Wir denken nicht nur an heute“, sagt sie.

Mut zu Veränderungen, aber mit Augenmaß
E.A.: Feride, immer wieder bekommen die Grünen im Stadtrat zu hören, sie blockierten Ideen der Anderen. Was sagst du als Fraktionsvorsitzende zu diesem Vorwurf?
F.N.: Wer Verantwortung trägt, darf nicht einfach durchwinken. Wir prüfen Projekte im Stadtrat sorgfältig: finanziell, sozial und ökologisch. Wenn wir Bedenken äußern, dann aus Verantwortung für Straubing, nicht aus Prinzip. Ob Stadtplatz, neue Baugebiete oder große Infrastrukturprojekte: Für uns zählt die Qualität der Entscheidung. Mehr Grün statt weiterer Versiegelung, langfristige Tragfähigkeit statt schneller Beschlüsse. Wir arbeiten konstruktiv mit, aber wir sagen auch Nein, wenn etwas unserer Stadt dauerhaft schadet. Das ist keine Blockade, sondern verantwortungsvolle Kommunalpolitik.
E.A.: Was ist in deinen Augen das wichtigste Thema, das der neue Stadtrat in Angriff nehmen muss?
F.N.: Für mich entscheidet sich an der sozialen und ökologischen Stadtentwicklung, wie Straubing in Zukunft bzw. in zwanzig Jahren dasteht. Wir brauchen mehr bezahlbaren Wohnraum für Familien, Seniorinnen und Senioren genauso wie für Alleinstehende und junge Menschen. Gleichzeitig müssen neue Quartiere klimaangepasst geplant werden, mit mehr Grün, weniger Versiegelung und guter Anbindung an Bus und Radwege. Wie wollen wir hier in Zukunft leben? Wie bleibt Straubing lebenswert, auch bei immer heißeren Sommern? Genau diesen Blick nach vorn liebe ich an uns Grünen. Wir denken nicht nur an heute, sondern an die nächsten Generationen.
E.A.: Man spürt allerorten viel Unzufriedenheit bei den Menschen. Wie kann Kommunalpolitik dem entgegentreten?
F.N.: Kommunalpolitik berührt den Alltag direkt. Wenn Busverbindungen nicht funktionieren, Wohnungen fehlen oder Plätze unattraktiv sind, merken und spüren die Menschen das sofort. Ich nehme die Unzufriedenheit sehr ernst. In vielen Gesprächen höre ich Sorgen über steigende Mieten, Unsicherheit und das Gefühl, nicht gehört zu werden. Deshalb setze ich auf Transparenz und echten Dialog. Politik darf nicht abgehoben sein, sie muss zuhören, hineindenken und verlässlich handeln. Vertrauen entsteht nicht durch große Worte, sondern durch konkrete Verbesserungen und das Gefühl vor allem, da kümmert sich jemand.
E.A.: Was macht dich zuversichtlich, dass die Grünen bei der Wahl am 8. März ihr Ergebnis von 2020 verbessern können?
F.N.: Ich erlebe viel Rückenwind, gerade von Menschen, die sich eine konstruktive und lösungsorientierte Politik wünschen. Klimaschutz, eine starke Wirtschaft, nachhaltige Stadtentwicklung und soziale Balance sind heute wichtiger denn je. Ich trete an, um Straubing aktiv mitzugestalten, mit Mut zu Veränderungen, aber mit Augenmaß. Wenn wir diesen Weg konsequent weitergehen, bin ich überzeugt, dass wir das Vertrauen vieler Bürgerinnen und Bürger behalten und ausbauen können. Der Weltfrauentag am 8. März ist für mich ein gutes Zeichen: für mehr Frauen, mehr Beteiligung und eine Politik, die Zukunft gemeinsam gestaltet.