Auf Platz 4 der Grünen-Liste bewirbt sich Heidi Webster für eine weitere Amtsperiode im Straubinger Stadt. Im Interview mit Erich Altmann erklärt die Stadträtin – Heidi ist Verwaltungsrätin für Umwelt und Nachhaltigkeit – warum es mehr Bäume in der Innenstadt braucht. Außerdem äußert sich die Buchhändlerin dazu, welche Maßnahmen in Sachen Gleichstellung notwendig sind, und gibt einen Literaturtipp.

„Mehr Raum für Bäume – und für Frauen!“
E.A.: Heidi, als die Grünen-Wahlliste aufgestellt wurde, hast du dich vorgestellt mit einem Zitat einer Bürgerin aus Straubing: „Frau Webster, das ist doch die mit dem Bäumen.“ Siehst du die Stadt auf dem richtigen Weg, wenn es darum geht, „mehr Räume für Bäume“ – eine langjährige Forderung von dir – zu schaffen?
H.W.: Als ich 2022 eine Kolumne für „Bäume und Hitzeschutz am Stadtplatz“ schrieb, hätte ich nicht geglaubt, dass wir 2026 Bäume auf dem Stadtplatz pflanzen werden. Das freut mich sehr. Unser Antrag „Der geschenkte Baum“ wurde parteiübergreifend unterstützt und die Straubinger*innen haben seitdem schon Hunderte von Bäumen in ihre Gärten gepflanzt. Andererseits hat im Umweltausschuss eine Mehrheit für die Abholzung von Bäumen am Gelände des alten Redlbacher Biergartens gestimmt. Das ist sehr schade. Es wird oft mit Ausgleichspflanzungen argumentiert, aber wir wissen doch, dass Jungbäume alte Bäume auf Jahre nicht ersetzen können.
E.A.: In der ablaufenden Amtsperiode ist die Grünen-Fraktion mit ihrem Antrag gescheitert, den Hans-Watzlik-Ring, benannt nach einem bekennenden Nazi – umzubenennen. Wie sehr hat dich diese Entscheidung getroffen? Und siehst du Chancen, dass der neue Stadtrat dieses Thema noch einmal aufgreift und seine Entscheidung revidiert?
H.W.: Du hast recht, diese Entscheidung hat mich wirklich sehr getroffen. Ich hätte nicht gedacht, dass nach all den Diskussionen, die wir im Stadtrat führten, die Mehrheit zu dem Schluss kommt, man kann diesem Nutznießer des Nationalsozialismus die Ehre eines Straßennamens in unserer Stadt lassen. Da man sich ja für das Deckmäntelchen der Kontextualisierung entschieden hat, glaube ich nicht, dass dieses Thema noch einmal aufgegriffen wird.
E.A.: Du hast diese Woche am Montagsgespräch zum Weltfrauentag teilgenommen. Welche Maßnahmen braucht es auf kommunaler Ebene, um in Sachen Gleichstellung die Situation der Frauen zu verbessern?
H.W.: Auf kommunaler Ebene ist für Frauen noch viel Luft nach oben. Wir haben im Moment im Stadtrat nur neun Frauen, das ist nicht mal ein Viertel! Wir haben einen Oberbürgermeister und zwei männliche Bürgermeister. Damit in Zukunft mehr Frauen in den Stadtrat kommen, sollten alle Parteien ihre Listen paritätisch besetzen. Wir haben eine tolle Gleichstellungsbeauftragte. Deren Meinung sollte viel mehr Raum gegeben werden, dass zum Beispiel Ausschüsse und Beiräte diverser besetzt werden. Es sollte keine rein männlich besetzte Gremien mehr geben.
E.A.: Du bist Buchhändlerin. Welche Lektüre kannst du empfehlen, die die großen Probleme der Welt treffend beschreibt, zugleich aber Lösungsansätze bietet und damit ein Zeichen der Hoffnung setzt?
H.W.: Ganz klar: „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Yuval Noah Harari, da ist alles drin.