„Radverkehrspolitik in Straubing“ – Podiumsdiskussion der ADFC-Ortsgruppe

Gestern hatte die Straubinger Ortsgruppe des ADFC zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Radverkehrspolitik in Straubing?“ geladen. Die Sprecherin der Ortsgruppe Dr. Vanessa Roden konnte Repräsentant*innen aller im Stadtrat vertretenen Parteien begrüßen. Neben drei OB-Kandidat*innen waren vier weitere Stadträte erschienen. Für die GRÜNEN nahm Stadtrat Jürgen Steinmetzer an der Diskussion teil.

Das Podium (von links): Dr. Vanessa Roden (ADFC), Konrad Denk (AfD), Dr. Albert Solleder (CSU), Jürgen Steinmetzer (GRÜNE), Bernd Vogel (SPD), Christoph Weinholzner (FW), Johannes Spielbauer (Linke), Katrin Dengler (ÖDP) (Foto: K. Diekmann)

Relativ große Einigkeit

Überraschenderweise herrschte auf dem Podium relativ große Einigkeit darüber, dass sich in den vergangenen Jahren viel zum Wohle der Radfahrenden verbessert habe, dass aber noch einiges zu tun ist. Straubing hat in den letzten ADFC-Klimatests seine Position stetig verbessert, ist aber nach Jürgen Steinmetzers Ansicht noch weit davon entfernt, dass verkehrstechnische Entscheidungen konsequent aus der Radfahrerperspektive gedacht würden. Hier müsse sich noch einiges am Mindset ändern. Das Straubinger Haushaltsbudget zur Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur wurde mit 250.000 Euro beziffert und allgemein als zu niedrig angesehen, auch wenn angemerkt wurde, dass in anderen Baumaßnahmen auch Radverkehrsthemen mitschwingen. Während der Podiumsdiskussion und auch in den Zuschauerfragen wurden viele konkrete Einzelsituationen innerhalb des Stadtgebiets thematisiert. Eine allgemeine Unzufriedenheit herrschte auf dem Podium mit den Fahrradschutzstreifen, die generell als zu eng und zu gefährlich angesehen wurden.

Was sind „Sneckdowns“?

In diesem Zusammenhang sorgte eine Zuschauerfrage für einen Lerneffekt bei allen Diskutierenden. Sogenannte „Sneckdowns“, natürliche „Verkehrsberuhigungen“ durch Schnee, könnten Verkehrsplanern Verbesserungspotenziale aufzeigen. Da Autofahrer bei Schnee nicht an den äußersten Rand fahren oder Kurven abkürzen, deutet der liegengebliebene Schnee an, welche Flächen, Fahrbahnen oder Abbiegespuren oft überdimensioniert sind. Dort könnte Platz für breitere Geh- oder Radwege geschaffen und/oder flächenentsiegelt werden.

Radverkehr vs. Autoverkehr?

Bei der Frage, ob zur Verbesserung des Radverkehrs der Autoverkehr eingeschränkt werden müsse, setzten einige Teilnehmer eher auf ein Miteinander und vermehrte Rücksichtnahme. Andere Teilnehmende machten deutlich, dass Radverkehr eine Vorrangrolle genießen sollte. Mehr Radverkehr sei gesund, sorge für mehr Sicherheit auf den Straßen und nütze dem Klimaschutz. Ohne eine Einschränkung des Autoverkehrs könne das gar nicht gehen. Einigkeit herrschte dann wieder darüber, dass Verkehrspolitik ganzheitlich gedacht werden müsse und dass zur Reduktion von Autoverkehr auch eine Verbesserung des ÖPNV gehöre.

Insgesamt war die Diskussion konstruktiv und radfahrerfreundlich. Steinmetzer zeigte sich in seiner Schlussbemerkung darüber erfreut, merkte aber auch an: „Ich weiß nicht, ob sich alle auf dem Podium bei einer Veranstaltung des ADAC auch so geäußert hätten.“

(Text: K. Diekmann)