Klares Zeichen in Sossau für Demokratie und Klimaschutz

Mitglieder der Grünen bei der Kundgebung in Sossau

Am Mittwoch fand in Sossau eine Veranstaltung mit zwei umstrittenen Gastrednern aus der rechtspopulistischen Szene statt. Die GRÜNEN im KV Straubing-Bogen schlossen sich einer Initiative der Linken an und demonstrierten vor der Gaststätte, in der der ehemalige Verfassungsschutzpräsident Dr. Hans-Georg Maaßen und der Klimawandelverharmloser Dr. Bernd Fleischmann ihre Ansichten vertraten.

Maaßen hatte sich die „Totalitäre Demokratie“ und die Unterdrückung der Meinungsfreiheit als Thema vorgenommen. Meinungsfreiheit werde unter dem Deckmantel des Kampfes gegen Hass und Hetze von oben eingeschränkt. Weitere Äußerungen richteten sich gegen den Linksextremismus (ohne auf rechtsextremistisch motivierte Straftaten einzugehen) und die Gängelung gegen „Brüssels Kommandowirtschaft“.

Der zweite Redner widmete sich der „nicht vorhandenen Klimakrise“. Fleischmann zog alle wissenschaftlichen Aussagen von Institutionen wie dem Weltklimarat und dem Institut für Klimafolgenforschung in Zweifel und bezeichnete alles als Propaganda. Weitere Inhalte der beiden Vorträge müssen auf einer grünen Webseite nicht weiterverbreitet werden, dazu verweisen wir auf die Presseberichterstattung des Straubinger Tagblatts vom 24.4.2026.

Draußen haben knapp 50 Demonstrierende die Meinungsfreiheit – auch die der beiden Redner – verteidigt. Da zur Meinungsfreiheit aber auch gehört, dass man andere Meinungen aushalten muss, ließen es sich die Teilnehmenden nicht nehmen, Maaßen und Fleischmann vehement zu widersprechen. Während drinnen über gehirngewaschene Politiker und über Illuminaten und Freimaurer geschwurbelt wurde, gab es draußen eine Kundgebung, auf der in vier kurzen Redebeiträgen Stellung bezogen wurde.

Jennifer Pletl bei ihrer Rede (Foto: K. Diekmann)
Chris Geiger bei seiner Rede (Foto: K. Diekmann)

Jennifer Pletl sprach für die GRÜNEN über die Folgen des Klimawandels und adressierte direkt die Aussagen Fleischmanns. Sie ging auf die Bandbreite der klimawissenschaftlichen Veröffentlichungen ein, sprach den überwältigenden Konsens unter Klimawissenschaftlern an und schilderte eindrücklich die dramatischen Folgen des Klimawandels: von Dürren über Überschwemmungen bis hin zu massenhaften Fluchtbewegungen und Artensterben. Weiter unten könnt ihr das vollständige Redemanuskript von Jenny lesen.

Chris Geiger von der Grünen Jugend Ostbayern thematisierte in seiner Rede das Muster und die Strukturen, mit denen die stark vernetzte rechtspopulistische Szene versucht, mit ihrer Ideologie in der breiten Bevölkerung Fuß zu fassen. Eine Vielzahl eher kleinerer Veranstaltungen wie hier in Sossau gehörten zu der Strategie.

Die beiden Redebeiträge der Partei „Die Linke“ beleuchteten die Hintergründe des ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten und des Veranstalters Stefan Kohwagner. Sie setzten dabei klare Statements für die Demokratie und ihren Erhalt.

Und hier das Redemanuskript von Jenny:

„Leugner*innen des Klimawandels zeichnen sich ja oft dadurch aus, dass sie der Wissenschaft offen misstrauen. Umso abstruser wirkt es, wenn Personen wie Dr. Fleischmann unter dem Deckmantel der Wissenschaft versuchen, den Klimawandel zu verharmlosen. In seinen Publikationen wirft er dem Weltklimarat, dem IPCC, Unwissen vor, weil die Vorhersagen zu ungenau seien. Außerdem werde die gesamte Bandbreite wissenschaftlicher Veröffentlichungen nicht abgedeckt. Diese Aussagen stimmen nicht. Im Auftrag des IPCC tragen Fachleute aus der ganzen Welt Informationen und Messdaten zusammen, die in die regelmäßigen Berichte einfließen. Der wissenschaftliche Konsens von 20.000 Klimaforscher*innen ist, dass der Klimawandel ein reales, von Daten belegtes Problem ist. Die Folgen des Klimawandels sind teilweise schon desaströs!
Trinkwasserknappheit, großflächige Ernteausfälle durch Dürren, Schädlinge und Überschwemmungen. Wir leben in einem Landkreis der viel Landwirtschaft hat. Hier sind Existenzen bedroht, direkt vor Ort bei uns! Wollen wir mit diesen Existenzen pokern und so tun, als ob sich die Expert*innen irren?
Durch die globale Erwärmung verändern sich Lebensbedingungen so schnell, dass die Ökosysteme nicht Schritt halten können und immer anfälliger werden. Viele Tier- und Pflanzenarten können sich nicht schnell genug an die veränderten Bedingungen anpassen und sind daher vom Aussterben bedroht.
Außerdem müssen durch Wassermangel, Hungerkatastrophen und extreme Wetterereignisse, wie Dürren, Stürme und Überschwemmungen werden immer mehr Menschen ihre Heimat verlassen müssen. Seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass in 50 Jahren 3,3 Milliarden Menschen auf der Flucht sein werden, wenn wir nichts gegen den Klimawandel tun. Wollen wir pokern, dass sich 20.000 Klimaforscher irren und wirklich nichts machen? Wollen wir 1% Schwurbler*innen und selbsternannten Expert*innen glauben, den wissenschaftlichen Konsens in Frage stellen und lieber warten, bis es zu spät ist?
Wollen wir den Preis wirklich zahlen, wenn sich herausstellt, dass die 20.000 doch recht hatten? Oder zahlen wir lieber den anderen Preis? Denn sollten Leute wie Dr. Fleischmann recht behalten, aber wir haben gehandelt und Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt. Und in 20 Jahren schauen wir darauf zurück, dass das Wetter und das Klima einfach gerade eine schlechte Zeit hatten und verrückt gespielt haben.
Und was dann? Dann haben wir aus Versehen eine gesündere Welt. Aus Versehen eine Welt mit besserer Luft. Aus Versehen eine Welt mit günstigerem Strom. Aus Versehen eine Welt mit weniger Lärm durch die mehrspurigen Straßen mit Verbrenner Autos, weil wir uns stattdessen mit ÖPNV und E-Autos durch unsere grünen Städte bewegen. Dann sieht es plötzlich bei uns aus wie in den grünen Paradiesen, in denen wir immer Urlaub machen wollen.
Wir haben nichts zu verlieren und viel zu gewinnen! Dann haben wir aus Versehen eine Welt, in der man draußen in einem Park sitzen kann, weil die Luft gut ist, uns nicht die nächste Überschwemmung oder Dürre droht und was wäre daran so tragisch? Deshalb ein klares Nein zu Aussagen, wie sie Personen wie Dr. Fleischmann tätigen. Und ein klares Ja zu Klimaschutz ohne Wenn und Aber. Denn Klimaschutz ist auch Menschenschutz.“

Das Straubinger Tagblatt berichtete nicht nur über Maaßen und Fleischmann, sondern veröffentlichte am 24.4.2026 auch einen Bericht über unsere Kundgebung, den wir hier einstellen. Die Verbreitung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Mediengruppe Attenkofer.

Text: K. Diekmann