30% Bio-Landwirtschaft sind für 2030 bayerisches Staatsziel. Die bayerische Staatsregierung ist 2025 mit 13,4% ökologisch bewirtschafteter Fläche weit weg von der Erreichung dieses Ziels, obwohl es Mittel und Wege gäbe, die gewünschte Entwicklung vor Ort zu forcieren. In Straubing-Bogen hat sich eine Initiative gebildet, die sich das Ziel gesetzt hat, eine Öko-Modellregion (ÖMR) zu etablieren. Am Freitagabend konnten sich Biobäuer*innen und interessierte Bürger*innen auf einer Informationsveranstaltung Fragen beantworten lassen. Fazit: Es soll weitere Überzeugungsarbeit geleistet werden, um die Öko-Modellregion im Landkreis – und in der Stadt Straubing – zu etablieren.


Erste Station: Biohof Kolbinger
Einer von rund 150 Bio-Betrieben in der Region ist der Hof der Familie Kolbinger in Saulburg. Man betreibt dort seit 2022 Mutterkuhhaltung mit Direktvermarktung. Martin Kolbinger gab in einem Vor-Ort-Termin Einblicke in seinen Betrieb. Die Gäste hatten Gelegenheit, die Haltung der Hereford-Rinder mit reiner Graszufütterung hautnah mitzuerleben. Kolbinger sieht große Chancen in einer ÖMR, die aus seiner Sicht einen echten Schub für die Biolandwirtschaft bieten könnte.
Zweite Station: Vorträge im Waldgasthof Schiederhof
Wo genau diese Chancen liegen, das konnte die große Besuchergruppe im Anschluss im Wiesenfeldener Gasthof Schiederhof erfahren. Grünen-Kreisrätin Martina Kogl-Wiethaler als Mit-Initiatorin der Veranstaltung und Andrea Kaufmann als Moderatorin konnten viele Gäste begrüßen. Unter anderem waren der stellvertretende Landrat Ludwig Knott (Freie Wähler), mehrere Kreis- und Stadträt*innen sowie Vertreter*innen von Landwirtschaftsamt, Bayerischem Bauernverband, Biokontrollstellen, Naturschutzbehörden, der lebensmittelverarbeitenden Wirtschaft und zahlreiche Bio-Landwirt*innen erschienen.
Da es in Bayern bereits 37 Öko-Modellregionen gibt und Straubing-Bogen so etwas wie einen weißen Fleck auf dieser Landkarte darstellt, brauchte man nicht weit in die Ferne schweifen, um kompetente Vortragende zu finden, die fundierte Erfahrungsberichte liefern konnten.

Öko-Modellregion in Regensburg Stadt/Land
Julius Kuschel, Projektmanager der ÖMR Regensburg, brachte den Zuhörenden in einem lebendigen Vortrag nahe, was in einer ÖMR so alles gemacht wird und welche Resultate erzielt werden. Seit 2019 wurden in Regensburg zahlreiche Projekte gefördert: der Aufbau eines Bio-Gemüsebauern-Netzwerks, Biomärkte, Einkaufsführer und Kochbücher, der Aufbau von Hofläden, die Bio-Zertifizierung zahlreicher Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung – etwa in Schulen oder Senioreneinrichtungen – sowie die Gründung solidarischer Landwirtschaften.
Kuschel präsentierte konkrete Beispiele, was diese Stelle leiste. Ein Caterer möchte geschälte Bio-Kartoffeln in großer Menge beziehen. Ein Bio-Bauer kann diese Menge zwar liefern, weiß aber nicht, wie er das Schälen bewerkstelligen soll. Der ÖMR-Manager springt ein und sucht nach Lösungen, entweder Dienstleistern, die die Wertschöpfungskette vervollständigen, oder einer Schälmaschine, die mit Fördermitteln aus anderen Töpfen angeschafft werden kann. Weitere realisierte Projekte seien beispielsweise die Förderung einer Trocknungsanlage oder die Einbindung professioneller Produktentwickler bei der Etablierung frischer Bio-Pommes für Großküchen.
Auch Thomas Scheuerer, Sprecher des Bayerischen Bauernverbands im Landkreis Regensburg, zog ein positives Fazit zur mittlerweile seit sieben Jahren etablierten ÖMR. Die zukunftsfähigen, regionalen Projekte, die entstanden seien, seien Beispiele für gelungene Wirtschaftsförderung und neue Wertschöpfung.
Ein weiterer Baustein für eine erfolgreiche ÖMR ist die Bewusstseinsbildung für Bio, die schon bei den Kleinsten anfängt. Mit ihrem Vorzeigeprojekt „Bio-Bäuerin macht Schule!“ geht Christin Ebenbeck aus Sinzing in die Regensburger Klassenzimmer. Oder die Schulklassen kommen zu ihr. Die Landwirtin stellte ihren Betrieb vor, der sich neben der Rinderzucht durch zahlreiche Aktionen und Programmangebote mehrere Standbeine geschaffen hat.
Lebhafte Diskussion
Die sich anschließende Diskussion offenbarte zwei wesentliche Punkte. Zum einen zeigte sich große Verwunderung, warum es eine ÖMR in Straubing-Bogen nicht schon längst gebe, wenn es andernorts in Bayern doch so erfolgreich laufe. Einige der anwesenden Bio-Bäuer*innen und auch Vertreter*innen weiterverarbeitender Betriebe warteten sofort mit Ideen auf und wiesen auf Lücken in den Wertschöpfungsketten hin. Daraus resultierte eine große Bereitschaft, den Weg zu einer Öko-Modellregion Straubing-Bogen gemeinsam zu gehen. Auch seitens des Bayerischen Bauernverbands wurden ermutigende Signale gesendet. Für den BBV war der in der Kreisvorstandschaft sitzende Michael Bachl-Staudinger vor Ort, der selbst Bio-Bauer ist.
Nachteile wurden nicht gesehen, weil auch die Kosten gering sind. Wer Öko-Modellregion werden will, muss einen Antrag beim Landwirtschaftsministerium stellen. Da die zuständige Ministerin Kaniber keinen Zwang zum Bio-Anbau ausüben möchte, sondern auf Freiwilligkeit setzt, wird das BioRegio2030-Programm als zentrales Instrument zur Verfolgung des 30%-Ziels gehandelt. Dort ist die Schaffung und Förderung weiterer ÖMRs verankert. Wer mit fundierten Konzepten einen Antrag stellt, den Titel „staatlich anerkannte Öko-Modellregion“ zu erwerben, bekommt fast sicher eine Förderung, die in der Übernahme von 75% der Kosten der Stelle eine*r Öko-Modellregion-Manager*in besteht. Der kommunale Eigenanteil bleibt bei 25% dieser Managementkosten. Hinzu kommen Fördersummen für konkrete Einzelprojekte.
Weitere Vorgehensweise
Stellvertretender Landrat Ludwig Knott und die Straubinger Stadträtin Feride Niedermeier vollzogen einen symbolischen Handschlag, das Thema ÖMR in den Gremien weiterzuverfolgen, auch unter dem Eindruck von Julius Kuschels Vortrag. Dieser hatte die Arbeitsteilung in Regensburg beschrieben: Während im Landkreis hauptsächlich die Themen der Erzeuger*innen adressiert werden, stehen in der Stadt die Belange der Caterer und Großküchen im Vordergrund.

Die Gäste der Veranstaltung in Wiesenfelden zeigten sich motiviert, im Kreistag Werbung für die Öko-Modellregion zu machen. Dort ist eine Mehrheit notwendig, um den Antrag in Richtung Landwirtschaftsministerium auf den Weg zu bringen. Deadline dafür ist im November. Ende Juli wird der Antrag das erste Mal im Wirtschaftsausschuss des Kreistags auf der Tagesordnung stehen. In der Zwischenzeit können die Planungen vorangetrieben werden.
Text: K. Diekmann / A. Kaufmann