Zwischen dem 7. September und 16. Oktober verkehrte zwischen Rattenberg und Kasparzell ein autonomer Testbus. Das Projekt wurde vom Landkreis finanziell gefördert, um Potenziale für den ÖPNV auszuloten.

Tourismus als Treiber?
Ausgewählt wurde vom Kreistag eine touristisch geprägte Region im Nordkreis. An den Haltestellen des 7 km langen Rundkurses lagen zwei Hotels, zwei Gastwirtschaften, der Donau-Regen-Radweg, jeweils ein direkter Anschluss an drei Rundwanderwege, ein Campingplatz, die Rattenberger Büchertauschhütte sowie zwei Ortskerne (Rattenberg, Kasparzell). Gerade in dieser Region wird ja immer über Zubringer-Möglichkeiten zur Linie 58 diskutiert.
Faszinierende Technik
Die Grünen haben es sich nicht nehmen lassen, das kostenlose Angebot wahrzunehmen und eigene Eindrücke zu sammeln, ob autonomes Fahren eine Verbesserung für die chronische ÖPNV-Unterversorgung in Straubing-Bogen darstellen kann. Am 16.9., 2.10. und 16.10. nahmen drei Gruppen, darunter unsere komplette Kreistagsfraktion und Mitglieder aus den Ortsverbänden Mitterfels-Steinach sowie Labertal die jeweils 20-minütige Fahrt in Angriff. Dabei durften wir ein paar technische Infos erfragen:
- Der Bus fährt mit GPS und mit intern gespeicherter Karte; die Route wurde vorher ausgiebig geteacht.
- Als Sensorik-Elemente sind ein Lidar-System und eine Kamera zur Hindernis- und Objekterkennung verbaut. Umgebaut wurde ein handelsüblicher Van.
- Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 50 km/h begrenzt.
- Bei Regen ab 20 mm und Schnee gibt es keine Fahrerlaubnis.
- Die Marktreife dauert noch mehrere Jahre. Gründe sind ein paar technische Hausaufgaben, aber auch fehlende gesetzliche Regelungen für vollkommen autonomes Fahren, insbesondere in Haftungsfragen.


Sicherheit zuerst
Das Fahrerlebnis war erstaunlich gut. Die Fahrt war ruhig, das Sicherheitsgefühl war gut, auch wenn der Begleitfahrer gelegentlich eingreifen musste. Ein Software-Ingenieur hat die die Fehler protokolliert, um entsprechende Verbesserungen aufzunehmen.
Unser Fazit
Die Technologie hat durchaus Potenzial, um den ländlichen ÖPNV effizienter und besser zu gestalten, besonders wenn man an On-Demand-Lösungen denkt. Ein Einsatz in Städten ist schwieriger zu bewerten, weil viele Kleinbusse die Verkehrsbelastung eher noch steigern werden. Das vorhandene Angebot an Bussen und Straßenbahnen sollte eher optimiert werden. Schade jedenfalls, dass autonomes Fahren noch einige Zeit braucht, bis es in Deutschland einsatzbereit ist, auch wenn sich beispielsweise in München schon erste Projekte in der Pilotierung befinden.
Text: K. Diekmann